Buchvorstellung "celler hefte" - Nationalsozialismus im Unterricht

Zur Vorstellung neuen "celler hefte" zum Thema "Gedächtnislücken" hatte die RWLE Möller Stiftung drei LehrerInnen gebeten, ihre Erfahrungen mit der Vermittlung lokaler NS-Geschichte im Unterricht zu schildern. Hintergrund waren Diskussionsbeiträge auf der Tagung der Stiftung im März, in denen das Fehlen des lokaler Bezüge im Geschichtsunterricht beklagt wurde. Lore Schreyer, Lehrerin für Politik, Geschichte und Erdkunde an der Grund- und Hauptschule Blumlage, Antje Labza, Referendarin im Fach Geschichte am Hölty-Gymnasium sowie Ulrich Frassl, Kunstlehrer am Hölty-Gymnasium berichteten über Erfahrungen berichten, die sie bei der Behandlung der Pogromnacht in Celle, des Massakers am 8. April 1945 in Celle sowie in der aktuellen Diskussion um die Ernst-Meyer-Allee in der Schule gemacht haben. Lore Schreyer hatte im Rahmen eines Wettbewerbs der niedersächsischen Landesregierung ein Projekt zum 9. November 1938 durchgeführt. Sie verwies auf die besonderen Bedingungen an Hauptschulen, wo sich eine Behandlung lokalgeschichtlicher Themen eigentlich nur über die Form von Projekten in den Unterricht einbinden lassen würden. Dann aber sei das Interesse und die Motivation der Schülerinnen und Schüler außergewöhnlich groß. Die Referendarin Antje Labza machte darauf aufmerksam, dass die Rahmenrichtlinien den regionalgeschichtlichen Bezug einforderten, im Regelfall aber die Belastung der LehrerInnen und auch die zu unterrichtende Stofffülle dies erschwere. Sie habe aber ihre Zeit und die Möglichkeiten des Referendariats genutzt, ein lokalhistorisches Projekt zum 8. April 1945 in Celle durchzuführen. Ihre SchülerInnen hätten die Unterrichtseinheit mit viel Engagement und emotionaler Beteiligung durchgeführt. Dies schrieb sie auch der Lage des Hölty-Gymnasiums zu, das räumlich gewissermaßen im Zentrum des Massakers entstanden sei, sowie der erinnerungspolitischen Diskussion um die Ernst-Meyer-Allee zu, was die SchülerInnen (und das Kollegium)zu einer Stellungnahme herausfordert [siehe den Artikel dazu in dieser Ausgabe]. Ulrich Frassl schließlich erläuterte einige Kunstprojekte im Schulgebäude, die sich mit Nationalsozialismus und Krieg beschäftigten - und es wurde bei einer neuen Projektbeschreibung auch deutlich, in welcher Form hierbei auch das Massaker vom 8. April 1945 thematisiert wird.

Übereinstimmend waren die Pädagogen der Auffassung, dass lokalgeschichtliche Bezüge in der Behandlung des Nationalsozialismus bei den SchülerInnen ein besonderes Interesse finden würde. Lore Scheyer machte allerdings darauf aufmerksam, dass sich bei Eltern verstärkt eine Schlussstrich-Mentalität bemerkbar mache. Man wolle die Kinder nicht mit der Schuldfrage belastet sehen, worum es im Unterricht aber gar nicht gehe.
Gern hätte man noch die Meinungen von SchülerInnen gehört, aber die waren leider nicht anwesend. Auf die neue Ausgabe der "celler hefte" wir an anderer Stelle in dieser Ausgabe ausführlicher eingegangen.
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