2. Mai 1933 - Zerschlagung der Gewerkschaften

Das Ende einer selbständigen Arbeiterbewegung

Vor 30 Jahren führte der gewerkschaftliche AK „Grabe, wo du stehst“ Interviews mit älteren Kolleg_innen. Im CELLER ZÜNDEL vom Mai 1983 veröffentlichte Horst Erber einen Artikel mit diesen Aussagen der Zeitzeug_innen zur Zerschlagung der Gewerkschaften. Diesen Artikel veröffentlichen wir jetzt zum 80. Jahrestag erneut und nur leicht überarbeitet.

Kurz zu den Personen: Heinrich K., war, nachdem er in der "Eisernen Front" der SPD die nötige Konsequenz vermisst hatte, zur KPD gegangen und arbeitete in der Sparte der Bauarbeiter in deren "Revolutionärer Gewerkschaftsopposition" mit. Wilhelm T., damals in der SPD, war in der "Freien Turnerschaft" aktiv, der Arbeitersportorganisation in Celle. Er war 1933 in der Buchhaltung des Zuchthauses angestellt. Fritz und Martha K. gehörten zu den wenigen, die sich zur "Sozialistischen Arbeiterpartei", SAP, bekannten. Einer Gruppe, die im Kampf der beiden Arbeiterparteien SPD und KPD gegeneinander den größten Fehler sah und die SPD für zu nachgiebig hielt. Gertrud S. war Mitglied der KPD und arbeitete in dem der Genossenschaftsbewegung zuzurechnenden Einzelhandelsgeschäft »Consum«.

Wenige Tage nach den Reichstagswahlen am 5. März 1933, die den Nazis nicht die gewünschte Mehrheit gebracht hatte, wurde in München am 9. März das erste Gewerkschaftshaus besetzt. Systematisch verschärfte die bürgerlich-faschistische Regierung Hitler/von Papen ihren Terror gegen die organisierte Arbeiterschaft. Waren es zuerst die Kommunist_innen, die eingesperrt, gefoltert und gemordet wurden, so folgten bald die Sozialdemokrat_innen und die Mitglieder und Funktionär_innen der Freien Gewerkschaften. An der Besetzung der Gewerkschaftshäuser beteiligten sich nicht nur die SA und die SS, sondern auch die Polizei.
Einem Schreiben des ADGB an den Reichspräsidenten von Hindenburg, denselben von Hindenburg, der im Frühjahr 1932 mit Unterstützung der SPD und ihrer Gewerkschaften gewählt worden war, ist zu entnehmen, dass am 5. April 1933 schon über 60 Gewerkschaftshäuser besetzt waren. Am Ende dieses Schreibens heißt es: „Wir bitten Sie, Herr Reichspräsident, auch unter Bezugnahme auf unsere früheren Schriften vom 8., 11., 13., 15. und 20. März alles einzusetzen, um Recht und Gerechtigkeit in Deutschland wieder zur Geltung zu bringen. ...“ Dieses Dokument zeigt, wie orientierungs- und hilflos die ADGB-Führung war. Es macht auch deutlich, dass zu diesem Zeitpunkt und noch mehr am 2. Mai 1933 der organisatorische Unter- und Mittelbau der Freien Gewerkschaften weitestgehend zerstört war, denn die Besetzungen wurden nicht aufgehoben. Im Gegenteil: Am 10. Mai 1933 wurden die Freien Gewerkschaften in die nationalsozialistische Deutsche Arbeitsfront „überführt“.

Der 1. Mai 1933 - nicht mehr internationaler Kampftag der Arbeiterschaft, sondern „Tag der nationalen Arbeit“

In dem Aufruf des ADGB zum 1. Mai ist nichts mehr von dem zu finden, was für die Arbeiterschaft untrennbar mit der Geschichte dieses Tages verbunden war. Im Gegenteil: Der Aufruf ist durchsetzt von nationalsozialistischer Ideologie und dokumentiert die Selbstaufgabe der Freien Gewerkschaften. Es heißt dort:
"An die Mitglieder der Gewerkschaften? Kolleginnen und Kollegen? Im Zeichen des 1.Mai habt ihr alljährlich euch zu der großen Aufgabe bekannt, in der deutschen Arbeiterschaft den hohen Gedanken der gegenseitigen Hilfe durch Erziehung zu Standesbewußtsein, Gemeinschaftswillen und Kameradschaftsgeist unermüdlich zu wecken, zu pflegen und zu fördern, wie er in unseren Gewerkschaften seinen organisatorischen Ausdruck gefunden hat. Am Tage des 1. Mai erglühte stets erneut das Bekenntnis der von leidenschaftlichem Kulturwillen beseelten deutschen Arbeiter, den werktätigen Menschen seinem dumpfen Arbeitsdasein zu entreißen und ihn als freie selbstbewußte Persönlichkeit in die Gewerkschaft des Volkes einzuordnen. Der deutsche Arbeiter soll am 1. Mai standesbewußt demonstrieren, soll ein vollberechtigtes Mitglied der deutschen Volksgemeinschaft werden. Das deutsche Volk soll an diesem Tage seine unbedingte Solidarität mit der Arbeiterschaft bekunden.“

Als wenn das noch nicht genug gewesen wäre, schickte der Bundesausschuss des ADGB am 19. April einen Beschluss hinterher, in dem es u.a. heißt:
„Der Bundesausschuß des ADGB begrüßt den 1. Mai 1933 als gesetzlichen Feiertag der nationalen Arbeit und fordert die Mitglieder der Gewerkschaften auf, im vollen Bewußtsein ihrer Pionierdienste für den Maigedanken, für die Ehrung der schaffenden Arbeit und für die vollberechtigte Eingliederung der Arbeiterschaft in den Staat sich allerorts an der von der Regierung veranlaßten Feier festlich zu beteiligen.“

Wenn Teile der organisierten Arbeiterschaft noch die Hoffnung gehabt hatten, dass aus Anlass des 1. Mai der ADGB zu Demonstrationen gegen den NS-Staat aufrufen würde, so wich diese Hoffnung der Wut und dem Zorn über diese endgültige Kapitulation der Gewerkschaftsführung vor der faschistischen Diktatur.
Gertrud S., die damals in Celle an der 1. Mai-Demonstration teilnahm, berichtet:

„Wir mussten demonstrieren. Wir demonstrierten ja auch die Jahre vorher schon, als »Consum« im weißen Kittel. Die anderen kamen in ihrer Arbeitskluft. Und da habe ich auch mitgemacht. Ich kann nicht sagen, ob vorne Hakenkreuzfahnen waren. Ich weiß nur, da stand überall SA. Natürlich war da Resignation unter den Teilnehmern und da war Bedrücktheit und da war Wut. Na ja nur mit der geballten Faust in der Tasche, mehr konnte man nicht mehr machen. Ich kann mich nicht mehr erinnern, dass zum Beispiel aus dem Demonstrationszug heraus eine Parole gerufen worden wäre, also dagegen."

Die Teilnahme an den nationalen Feierlichkeiten war keineswegs frei. Gerade in den Betrieben wurden die Arbeiter_innen unter Druck gesetzt. Ihnen wurde häufig mit der Entlassung gedroht, wenn sie sich der Teilnahme an den Demonstrationen entzögen. In einer Kleinstadt wie Celle war der Druck besonders groß, da auch leichter kontrolliert werden konnte, ob jemand den Umzügen fernblieb. Wilhelm T., der damals in der Strafanstalt angestellt war, macht dies deutlich:

„Der 1.-Mai-Umzug, da mussten alle mit. Wer im Betrieb war, musste ja hingehen, das war Zwang. Sich auszuschließen, war ja gleichzeitig wegzubleiben. Und dann war es so, dass diejenigen, die noch nicht in der NSBO waren, die wurden vorweggestellt. Mit einem Schild. Wo ich ging, von der Strafanstalt Celle, waren wir 16 Mann, die in Zivil waren. Da hat man gleich gesehen, aha, das sind diejenigen, die nicht dazugehören.“

Sammelpunkt für die Teilnehmer_innen war der »Wildgarten« in der Nähe des heutigen Hallenbads. Wilhelm T. erzählt weiter:

„Von dort aus wurden wir rausgeführt zum Neustädter Holz: Und dort wurde die Führerrede gehört. Wir hatten uns natürlich schnell verdrückt, damit wir sie nicht hören konnten.“
Auf welchem Gelände hat die Kundgebung stattgefunden?
Wilhelm T.: „Weißt du, wo das Neustädter Schützenhaus ist? Da ist doch die Fuhsemündung, da war früher ein Eichenwald und eine große Plattform. Hier war ein großer Platz, da konnten wir aufmarschieren. Dorthin war der Zug geleitet worden. Wir haben uns dann abseits in die Büsche verdrückt?“

Die Celler National-"Sozialisten" konnten in ihrem Propagandaorgan, dem »Celler Beobachter«, der zum amtlichen Organ für den Stadt- und Landkreis Celle avancierte, am 3. Mai 1933 jubeln:

„Der 1. Mai ist vorüber. Wir werden nie vergessen, was er uns brachte. Als Wertvollstes dokumentierte er die feste Verbundenheit aller Schaffenden, aller Arbeiter der Faust und der Stirn. Die Volksgemeinschaft, wie wir Nationalsozialisten sie anstreben, gestern war sie da. Deutlich prägte sie sich auf allen Gesichtern aus, beim Fabrikherrn wie bei seinen Arbeitern und Angestellten.“

Eine besondere Sinngebung wusste die Cellesche Zeitung dem 1. Mai und seiner Entstehung zu geben. In einem Beitrag von Ernst Weiß, dem Vorsitzenden des Metallarbeiterverbandes in Celle, überschrieben mit „Ein Metallarbeiter“, heißt es dort unter anderem:

„Im stolzen Bewusstsein ihrer Macht und wichtigen Position, welche die Arbeitnehmer im gesamten deutschen Wirtschaftsleben einnehmen, haben sie sich den von allen deutschen Dichtern besungenen Frühlingsmonat Mai und zwar den 1. Maientag, in Verbindung mit dem Erwachen der Natur ausersehen, um auch in der Öffentlichkeit zu demonstrieren, aber nicht nur, um ihre Forderungen materieller Art, sondern auch um ihre Kulturbestrebungen zu fördern und als gleich- und mitbestimmungsberechtigter Faktor im Wirtschaftsprozeß und somit in die Volksgemeinschaft eingeordnet zu werden.“

Der 1.·Mai war seines eigentlichen Charakters beraubt. Demonstriert wurde nicht gegen die Ausbeutung und Unterdrückung der Arbeiterschaft, gegen die politische Unterdrückung der Arbeiterbewegung, die verbunden war mit physischem Terror gegen die Funktionär_innen und die Mitglieder der Organisationen der Arbeiterbewegung. Er war umfunktioniert worden im Sinne der Naziideologie zur Propagandaveranstaltung für die Idee der Volksgemeinschaft.

In der CZ vom 2. Mai 1933 wurde der reibungslose Verlauf der Aufmärsche bewundert:

„Ohne Störung lösten sich die vier Anmarschzüge (im Wildgarten) auf und fanden sich in einer der ihnen zugewiesenen sieben Säulen zu einer neuen Gemeinschaft zusammen." Das "Volk" demonstrierte. In der ihr noch heute eigenen Art, Interessengegensätze zu verschleiern und dem Arbeiter die Ideologie und die Interessen der Herrscheriden als seine eigenen zu verkaufen, heißt es in der CZ weiter: "Hier standen jetzt Meister und Geselle, Behördenchef und Untergebener, Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleicher Marschkolonne, mußten den gleichen Staub des Wildgar tens schlucken und sich von der gleichen Sonne sengen lassen.“

Der 2. Mai 1933: die endgültige Zerschlagung der Freien Gewerkschaften

An dem Tag, als in der CZ und im »Celler Beobachter« der „Tag der nationalen Arbeit“ noch gefeiert wurde, zerschlugen die Nazis die organisatorischen Reste der Freien Gewerkschaften. Dies war das Ende einer selbstständigen Arbeiterbewegung; und die mögliche Keimzelle einer legalen Opposition gegen den NS-Staat und die sehr bald anlaufenden Kriegsvorbereitungen existierte nicht mehr. Was im Juni 1933 noch folgte, war das Verbot der SPD. Dies war bei den bürgerlichen Parteien nicht nötig. Die lösten sich selbst auf. Eine parlamentarische Opposition gab es folglich nicht mehr.

Am 2. Mai wurden auch das Gewerkschaftshaus bzw. die Geschäftsstellen der Freien Gewerkschaften in Celle besetzt. Dazu die CZ vom 3. Mai 1933:
„Auf Grund des Gleichschaltungsgesetzes wurden gestern von der NSBO die Geschäftsstellen des Zentralverbandes der Angestellten, des Metallarbeiterverbandes und des Fabrikarbeiterverbandes besetzt.“

Ausgenommen waren von der Besetzung die Christlich-Nationalen Gewerkschaften und der Deutsch-Nationale Handlungsgehilfen-Verband.

Mit der Besetzung der Geschäftsstellen, der Beschlagnahme der Kassen und der Geschäftsbücher und insbesondere durch die Einsetzung eines Kommissars für jede der drei o.a. Gewerkschaften durch den Leiter dieser Aktion in Celle, den Kreisbetriebszellenleiter der NSBO, Friedrich Schneider, verloren die Freien Gewerkschaften ihre Eigenständigkeit.

Willi K. berichtet:
„Und am 2. Mai besetzten die Nazis die Gewerkschaftshäuser. Da waren die Gewerkschaften zerschlagen."
Auf die Frage, ob das Gewerkschaftshaus ohne Widerstand übergeben wurde, erzählt er:
„Ich muss einen Moment überlegen. Die Gewerkschaft war damals am Bahnhof. In dem Haus ist heute eine Kneipe drin. Wenn du vom Bahnhof zum Zuchthaus rumgehst; das war früher das Gewerkschaftshaus. [...] Die Nazis waren bei jedem kleinsten Kassierer. Wer eine kleine Ortsgruppe hatte, oder eine Straßenzelle, der wurde aufgesucht. Da haben sie überall Papiere und Geld weggeholt. Widerstand gegen die Besetzungen hat es nicht gegeben."
Wer hat die Besetzungen durchgeführt, wollten wir von ihm wissen, die SA?
„Was heißt die SA, hier in Celle war das die NSBO, die waren das.“

Die Besetzung der Gewerkschaftshäuser war eindeutig politisch motiviert. Aber so sicher schienen sich die Nazis ihrer Sache noch nicht zu sein. Es wurde in den ersten Tagen nach den Besetzungsaktionen versucht, Gründe nachzuliefern. Da war von „Unterschlagungen“ die Rede und davon, dass „unsinnig gewirtschaftet worden sei", was immer das auch gewesen sein mag. Es war wohl anders. Manche SA- und SS-Leute nutzten die Gelegenheit, sich persönlich zu bereichern und begingen regelrechte Plünderungen in den besetzten Gewerkschaftshäusern. Wie anders ist zu erklären, dass der Chef der Deutschen Arbeitsfront, Robert Ley, sich am 15. Mai 1933 an seine eigenen Leute mit der Aufforderung wandte, diese „Manipulationen“ abzustellen: „Über das Vermögen der Gewerkschaften verfüge ich allein.“

In Celle wurde am 2. Mai nicht nur das Gewerkschaftshaus besetzt sowie die Geschäftsstellen, sondern auch das Haus der Freien Turnerschaft, des Arbeitersportvereins. Das Haus steht am TuS-Sportplatz, und TuS Celle nennt es heute sein eigen.

Erbaut wurde das Haus der Freien Turnerschaft in den Jahren 1927/28 von den Mitgliedern des Vereins in Eigenleistung. Wilhelm T., der auch aktiver Arbeitersportler war, erzählt darüber:
„Das Haus ist nur von der Freien Turnerschaft erstellt worden. Das Darlehen, was wir damals von der Stadt bekamen, war sehr niedrig. Ich weiß noch, wir sind bis nach Oldau raufgefahren und haben dort die Straßengräben saubergemacht, um Mutterboden zu bekommen. Denn das war ja hügeliges Gelände dort, am Neustädter Holz. ... Das Haus wurde am 2. Mai besetzt und beschlagnahmt. Und wurde dann der Hitlerjugend zur Verfügung gestellt. Später war es dann auch so eine Art Lazarett.“
Auf die Frage, ob es bei der Besetzung des Hauses Widerstand gegeben habe, berichtet er:
„Nein. Da wohnte ein Verwalter bei uns im Heim, der war bei der Celleschen Zeitung als Drucker beschäftigt und der machte das nebenamtlich. Da sind die reingekommen und haben das besetzt. Und aus war es. Wir konnten ja keinen Widerstand leisten. Es war der 2. Mai, Sport wurde nicht getrieben, die Sportplätze wurden gesperrt, SA war da aufmarschiert. Und der Verwalter, der da war, der wurde darum später umgesetzt in ein anderes Haus. Das ist alles blitzartig gekommen.“

Willi K. weiß ergänzend zu berichten:
„Aber es gab auch einen Teil bei uns (in der Arbeiterschaft), die auch umschwenkten. Ich habe welche gekannt, die haben sich hingestellt bei ihrem Haus und wollten Widerstand leisten. Beim Haus der Freien Turnerschaft war es auch so. Da hat sich auch einer hingestellt und sagte, nur über meine Leiche. Und da hat ihn die SA an die Seite geschubst. Aber den hättest du dann hier im Dorf sehen müssen, da lief er rum mit dicker Paradeuniform. Und trug die Fahne. Dabei hat er vorher gesagt, nur über meine Leiche.“

Martha K. berichtet, dass beim Verbot der Gewerkschaften alle wie gelähmt gewesen seien:
„Aber wir haben uns immer noch getroffen, an der Örtze. Bei uns haben sie 'nen paarmal noch Haussuchungen gemacht. Da war ich noch mit meinem ersten Mann zusammen, der war Kassierer der Gewerkschaft in der 'Celler Knopffabrik'. Da haben sie [die Nazis] behauptet, die Kasse stimmt nicht. Aber das haben sie bei allen Kassierern der verschiedenen Gewerkschaftsverbände getan. Wo sie hinkamen, habe sie erzählt: "Die Kasse stimmt nicht." Und da wollten sie meinen Mann noch einsperren. Da hab ich gesagt, ich werde es nachbezahlen, und das habe ich dann auch getan.“

Resümierend lässt sich feststellen, dass die Nazis der Besetzung von Einrichtungen der Arbeiterbewegung in Celle offensichtlich auf keinen Widerstand gestoßen sind. Im Reichsgebiet hat es wohl hier und dort Widerstand gegeben, insgesamt betrachtet war er jedoch ohne große Bedeutung. Der 2. Mai 1933 markiert den Endpunkt einer Entwicklung, die spätestens am 30. Januar ihren Ausgang nahm, als mit Unterstützung des Finanz- und Industriekapitals und der bürgerlichen Parteien wie der DNVP Adolf Hitler von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt wurde. Damit wurde der Weg freigemacht für die Legalisierung des Terrors gegen die Linksparteien, die KPD und die SPD und gegen die Freien Gewerkschaften. Was damals vielleicht noch möglich schien, nämlich die gewaltsame Verhinderung der faschistischen Diktatur durch den Zusammenschluss aller antifaschistischen Kräfte, wurde mit jedem Tag, an dem die Politik der Passivität fortgesetzt wurde, bis hin zur Illusion der Gewerkschaftsführungen, die Organisation in den NS-Staat hinüberretten zu können, unmöglicher. Zwei wichtige Stationen auf dem Weg in den Untergang waren die Lossagung der Freien Gewerkschaften von der SPD und die Selbstauflösung der Eisernen Front, die von den Freien Gewerkschaften, der SPD und dem Reichsbanner zur Verhinderung des Faschismus gegründet worden war.

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