Eingangstor des jüdischen Friedhofs, Am Berge
Da nach Auffassung des Celler Hochbauamtes die Friedhofshalle nicht als Baudenkmal anzusehen war, wurden 1974 die Friedhofshalle und das Wächterhäuschen abgerissen.

Der Jüdische Friedhof

1692 wurden den Celler Juden ein Gelände an der heutigen Straße "Am Berge" für die Anlage eines Friedhofs zugewiesen. Der älteste, noch erhaltene Grabstein stammt aus dem Jahr 1705. Da die Gräber vor Verwüstungen nicht sicher waren, wurde nach einer festen Einfriedung 1741 ein kleines Wächterhaus errichtet. 1911 wurde die von Otto Haesler entworfene Friedhofshalle erbaut.
In der Pogromnacht wurde die Friedhofshalle verwüstet. Dürkefälden berichtet, dass die Bleiverglasung, ein Kronleuchter und drei Glastüren zerschlagen worden seien. Nach Kriegsende wurden bis 1953 auf dem jüdischen Friedhof einige verstorbene Angehörige der von DPs neu gegründeten jüdischen Gemeinde bestattet.
Da nach Auffassung des Celler Hochbauamtes die Friedhofshalle nicht als Baudenkmal anzusehen war, wurden 1974 die Friedhofshalle und das Wächterhäuschen abgerissen.
"Kein jüdischer Friedhof in ganz Niedersachsen wird so oft zerstört", schrieb die Journalistin Annegrit Eichhorn, nachdem im September 1986 Grabsteine umgestoßen und mit Hakenkreuzen beschmiert worden waren - eine antisemitischer Aktion, die sich im März 1992 wiederholte.

Pogromnacht

Am folgenden Sonnabendnachmittag bin ich mit Frau und Manfred an der in unserer Nähe liegenden Friedhofskapelle vorbeigegangen. Die Tür war bereits mit Brettern zugenagelt. Die Fenster sind ohne Leiter nicht zu erreichen. Sie bestehen aus vielen kleinen, mit Blei eingesetzten Scheiben, die bis auf wenige einschließlich Bleirahmen einzeln zerschlagen sind, was ohne Beil kaum zu machen ist. Eine Frau, die dicht dabei auf der anderen Seite der schmalen Straße wohnt, erzählt uns auf meine Frage, daß morgens um ½ 5 zwei Kraftwagen und einige Motorräder vorgefahren wären, und etwa 15 Mann in Zivil, die Mützen tief ins Gesicht gezogen, mit Hackebeilen innerhalb einer halben Stunde die ganze Einrichtung der Friedhofskapelle zerschlugen. Drei Glastüren seien darin gewesen, den Kronleuchter hätten sie heruntergehauen und was sonst noch darin war; es hätte sich grausig angehört. An den Gräbern sei nichts zerstört.Obenaus, Herbert / Obenaus, Sibylle (Hg.) (1985): "Schreiben wie es wirklich war!" Aufzeichnungen Karl Dürkefäldens aus den Jahren 1933 - 1945. Hannover, S. 86.

Die Friedhofshalle wurde gegen Morgen demoliert, das Umwerfen der Grabsteine verhinderte der nichtjüdische Friedhofswächter, Zimmerpolier August Schmidt. Obenaus, Sibylle: Historisches Handbuch der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen

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Der Jüdische Friedhof, Am Berge, 29223 Celle, Deutschland
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