Kopf der "Celler Kriegsbriefe", Nr. 1, Febr. 1941; erschinen im Verlag der Celleschen Zeitung.

Cellesche Zeitung

Betrachtet man die Celler Presse im Nationalsozialismus, sind zwei Zeitungen wichtig: die Cellesche Zeitung (CZ) und der Celler Beobachter (CB).

Die CZ wurde 1817 als „Zellescher Anzeiger“ gegründet, erlebte einige Namenwechsel und trug seit 1869 den Namen „Cellesche Zeitung und Anzeigen“. Seit 1942 heißt sie „Cellesche Zeitung“. Ihr Verlagsgebäude befindet sich heute in der Bahnhofstraße 1-2, zwischen 1933 und 1945 Hindenburgstraße 1-2.

Die NSDAP hatte für die Region Hannover seit 1925 mit dem Niedersächsischen Beobachter eine eigene Wochenzeitung und ab 1931 mit der Niedersächsischen Tageszeitung (NTZ) eine eigene Tageszeitung. Nach dem Wahlerfolg der NSDAP bei den Reichstagswahlen im Juli 1932 wurde in Celle der Wunsch nach einem eigenem Parteiorgan laut: Ab August 1932 erschien der CB als Nebenausgabe der NTZ, zunächst einmal, dann zweimal pro Woche. Verantwortlich für den Celler Teil war anfangs Walther Pakebusch. Nach der „Machtergreifung“ erlebte der CB einen raschen Aufstieg und erschien schließlich ab Juni 1933 täglich. Von November 1934 bis in den Oktober 1937 wurde der CB ersetzt durch die „Ausgabe Ost-Hannover“ der NTZ. Danach wurde er als selbständige Nebenausgabe der NTZ mit dem Untertitel „Amtliches Organ der NSDAP und der Behörden des Stadt- und Landkreises Celle“ herausgegeben. 1943 musste der CB das selbständige Erscheinen aufgrund der Kriegslage einstellen. Die Geschäftsstelle des CB war bis etwa 1936/37 Kanzleistraße 11; es folgte ein Umzug in die Mauernstraße 9. In den 1940er Jahren befand sich die Geschäftsstelle Am Markt 4-6.

Die CZ verfolgte spätestens seit den letzten Jahren der Weimarer Republik einen bürgerlich-nationalen Kurs, gemischt mit antidemokratischen und völkischen Ressentiments. Traditionell nach rechts neigend, bot sie also Anknüpfungspunkte an nationalsozialistische Politik. Die NSDAP wurde aber von der CZ weder hofiert noch bekämpft.

Auf die offizielle Linie der NSDAP schwenkte die CZ erst nach der „Machtergreifung“ ein. Jetzt ging es aber offensichtlich sehr schnell: Am 1. Februar wurde Kreisleiter Pakebuschs Rede auf Hitler, die er am 31. Januar gehalten hatte, zitiert, und auch im Wahlkampf zu den Reichstagswahlen im März 1933 wurde die NSDAP von der CZ unterstützt. Tonfall und Leitartikel der CZ zeigten deutliche Sympathien für die neuen Machthaber. Diese inhaltliche Ausrichtung sowie das generelle Vorgehen des Gauleiters Telschow, eher die bürgerliche Heimatpresse zu nutzen als sie zu zerschlagen, hatten zur Folge, dass die CZ während der gesamten Zeit des Nationalsozialismus erscheinen konnte. 1934 vermeldete Landrat Heinichen über die Celler Zeitungen:

"Sie alle stehen hinter der Regierung und bemühen sich, das Gedankengut des Nationalsozialismusses [sic!] der Bevölkerung immer näher zu bringen."

Nachdem der CB nicht mehr selbständig erschien, wurde er mit der CZ (zwangs)vereinigt; die CZ trug jetzt den Untertitel „Celler Beobachter. Amtliches Mitteilungsblatt der NSDAP“. 1944 war die CZ zur zweitgrößten Tageszeitung in Nordostniedersachsen geworden.

Von 1941 bis 1944 gab die NSDAP-Kreisleitung bei unregelmäßigem Erscheinen die „Celler Kriegsbriefe“ heraus. Mit Berichten von der „Heimatfront“ und aus den NSDAP-Ortgruppen wandte sich die Publikation an die zur Wehrmacht eingezogenen Männer aus Stadt und Landkreis Celle. Zunächst zeichnete der CZ-Schriftleiter Hans Nolte bis zu seiner Einberufung im Februar 1942 verantwortlich, danach der CZ-Herausgeber Ernst Pfingsten, der gelegentlich auch selbst Artikel beisteuerte wie z.B. den Beitrag „Celle in voller Kriegsbegeisterung“ vom Februar 1943. Eine der Redakteurinnen der „Celler Kriegsbriefe“ war Hanna Fueß.

Im Januar 1945 begann die CZ mit dem Abdruck des Romans „Der Wehrwolf“ von Hermann Löns, offenbar „um ihre Leser auf kommende Schrecken einzustimmen und ihren Willen zum Durchhalten zu stärken“, wie Mijndert Bertram mutmaßt. Durchhalteparolen und „Erfolgsmeldungen“ kennzeichnen auch Überschriften von Januar bis April 1945. Am 7. April 1945 z.B. hieß es: „Allen Gewalten zum Trotz – Von der moralischen Kraft zum Siege“. Wozu diese „moralische Kraft“ fähig werden sollte, zeigten die Ereignisse in Celle am 8. April und den darauffolgenden Tagen.

Die CZ wurde noch im April durch die britische Militärregierung verboten und Verleger Ernst Pfingsten kurzzeitig interniert. Erst ab September 1949 durfte die CZ wieder erscheinen.

Karte
Cellesche Zeitung, Bahnhofstraße 1-3, 29221 Celle, Deutschland
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