Pogromnacht

"Am Morgen des 10. November 1938 hatte ich es wie oftmals sehr eilig, leider. Es war ¼ vor 8 Uhr. Ich kam hinter der Stadtkirche vorbei, sah in der Zöllnerstraße, Ecke Poststraße, einen Menschenauflauf. Fragte ein daherkommendes Schulmädchen, was da los sei. 'Bei Wolff liegen die ganzen Sachen draußen.' Ich wollte zurücklaufen, tat es leider der knappen Zeit wegen aber nicht. Sah noch ein schadenfrohes Gesicht, hörte Worte, an der Ecke läge auch alles auf der Straße, hätten aber ganze Arbeit gemacht."

Später hört er mehr:

"Bei Wolff konnte man durchs ganze Haus gucken, alles zertrümmert. Die Ärmel waren aus den Kleidern gerissen, die Kragen und so auf die Straße. Die Stoffballen mit der Spitzhacke geschlagen und ebenfalls auf die Straße geworfen, die nachher noch die Mittelschüler fast die ganze Straße entlang abrollten."

Obenaus, Herbert / Obenaus, Sibylle (Hg.): "Schreiben wie es wirklich war!" Aufzeichnungen Karl Dürkefäldens aus den Jahren 1933 - 1945. Hannover 1985. S. 85.

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