Die Spinnhütte - NS-Musterbetrieb

Die 1928 gegründete "Spinnhütte Seidenspinnerei und Weberei GmbH", später: "Mitteldeutsche Spinnhütte GmbH", entwickelte sich im Nationalsozialismus zum größten Celler Betrieb mit 670 ArbeiterInnen (1939). Der rasante Aufschwung des Unternehmens hing eng mit der Aufrüstung Deutschlands zusammen. Schon 1933 begann die staatliche Förderung, um Deutschland auf dem Gebiet der Seidenproduktion autark zu machen.

Hauptkunde der Spinnhütte wurde Görings Reichsluftfahrtministerium, denn in Celle wurde die kriegswichtige Fallschirmseide (1,5 Mio. qm in 1939). Im Jahr 1937 bekam die Spinnhütte den Titel eines "NS-Musterbetriebs" verliehen, und wurde im Jahr 1943 zum neben VW einigen "Kriegsmusterbetrieb" des Gaus Ost-Hannover ernannt. Hart ging man gegen "Arbeitsverweigerung" vor, eine 22-jährige Arbeiterin aus Celle wurde wegen einiger Fehltage vom Celler Amtsgerichtsrat Püllmann zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.
Es entstanden zwischen 1934 und 1939 sieben Zweigbetriebe, aber Celle blieb Stammsitz und wurde zur "Stadt der deutschen Seide". Für die Hauptverwaltung entstanden die Gebäude an der Georg-Wilhelm-Straße, in denen heute das Landessozialgericht untergebracht ist. Die neu in Celle angesiedelte "Reichsforschungsanstalt für Seidenbau" konnte im April 1940 in den Neubaukomplex an der Dörnbergstraße einziehen. In Vorwerk entstand für Werksangehörige 1937 die so genannte "Webersiedlung" mit 50 Häusern.
Die ersten ZwangsarbeiterInnen kamen 1940 aus Polen, 1942 wurde 100 Frauen aus der Sowjetunion eingesetzt. Mit ihnen wuchs die Belegschaft auf über 800.
1945 erließen die Briten für den Rüstungsbetrieb sofort ein Produktionsverbot, die Hauptverwaltung in der Georg-Wilhelm-Straße wurde beschlagnahmt.

3 Monate Gefängnis wegen Arbeitsverweigerung
Am Wasserturm, 29223 Celle, Deutschland